Dezember 1, 2022

Geschichten aus der Marbach 2022: “Waschlavoir und Schaffellweste”

Wir erhielten einen handgeschriebenen Brief einer Marbacher Nachbarin mit Freigabe zur Verwendung – MN.

Waschlavoir und Schaffellweste – Das herrliche Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit beim Gas Sparen ohne zu frieren habe ich im vergangenen Herbst bzw. Winter (2021/2022) erfahren, als mein Gasofen bei Außentemperaturen unter 0 Grad streikte. Ich war aber schon daran gewöhnt, bei 12°-15° zu leben. Es war ein Experiment, das ich schon im Herbst 2021 begonnen hatte. Bei 10° rief ich dann doch den Installateur, der den Ofen schnell wieder flott machte. Innen ließ es sich ab 12° wieder aushalten. Natürlich war das nicht gemütlich, da ich (77 und Rheumapatientin) allein lebe und inzwischen der Hund gestorben war. 

Gemütlich wurde es erst Abends mit einer Wärmflasche an den  Füßen bei motivierenden Gesprächen mit meiner Fernsehfamilie (Anne Will, Sandra Maischberger, Maybrit Illner, Markus Lanz und Harald Lesch mit ihren kompetenten Gästen). Lange vor dem Ukraine-Krieg. Auch wurde es mir warm bei schönen Kindheitserinnerungen mit den Erzählungen der Großeltern von Hunger, Flucht und Vertreibung. Oder auch, wie die Leute damals auf dem Land gelebt haben – nach Berichten meiner Nachbarin, der letzten Trachtenfrau in Amönau. Was haben wir es doch heute gut. Ein Dach überm Kopf, 1x pro Woche eine warme Dusche, jeden Tag eine heiße Waschschüssel oder im Sommer 1 kalter Waschlappen tropfnass, jeden Tag satt essen und noch genug Strom!

Ich konnte nur staunen, wie sich der Körper seit dem Herbst den sinkenden Temperaturen (bei entsprechender Kleidung) angepasst hat, ohne krank zu werden! Jaja, die Evolution hat uns das alles mitgegeben unter zwei Bedingungen: die Notwendigkeit und/oder die Motivation, der unbändige Wille, dem Klimawandel und dem verschwenderischen Lebensstil endlich selbst etwas entgegenzusetzen. Zumal die gesamte Menschheit seit Jahrtausenden ganz selbstverständlich so gelebt hat – ohne Strom, Urlaubsreisen, Fertiggerichte, und und und. Jetzt hilft uns Putin sogar beim Gas-Sparen, indem er es abdreht. Richtig ärgern können wir ihn aber nur, wenn alle mitmachen – es muss ja nicht bis 12° sein, 16°-17° reicht auch schon, wenn über 80 Millionen Bürger mitmachen. 

Kennen Sie die ideale Rotwein Temperatur? Ja, 16°, das war zur Zeit der Burgen die normale Zimmertemperatur – ganz selbstverständlich. Ich höre schon meine Werten, Zeitgenossen protestieren, denn das ist das größte Problem, eine infantile, verhätschelte, verwöhnte und in jeder Hinsicht gepamperte Gesellschaft mitzunehmen. Aber ihr seht doch auch, wie jetzt die Natur zurückschlägt mit Dürren, Überschwemmungen, Epidemien, Sterben der Wälder und zahlreichen sterbenden Ökosystemen. 

Spürt ihr nicht die Angst der Jugend und des globalen Südens, der uns immer mehr Flüchtlinge schicken muss? Seit dem 2. Weltkrieg haben wir gedankenlos in Saus und Braus gelebt (relativ gesehen). Sollen jetzt unsere Enkel und deren Nachkommen dafür büßen? Warum stecken noch immer so viele den Kopf in den Sand vor dem Thema, das seit fast 40 Jahren schon bekannt ist? Nur: Heute wissen alle Bescheid und wir brauchen über die Medien in volkstümlicher, verständlicher Sprache praktische Hinweise, wie man modern und trotzdem nachhaltig leben und wirtschaften kann – ohne zu frieren oder kalt zu duschen! Und dabei noch die Psyche positiv in Schuss bringen, jeden Tag. Dabei kann ich helfen. Informiert euch ihr Leute! ”

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